Olli · Drums

Was bedeutet Dir Musik in Deinem Leben?

 

Seitdem ich 14 oder 15 bin spielt Musik eine sehr sehr grosse Rolle in meinem Leben. Soweit ich mich erinnern kann hatte ich davor immer nur beiläufig Musik im Radio gehört und mich auch nicht aktiv damit beschäftigt. Aber dann irgendwann, mit 14 oder 15, bin ich mit zwei Kumpels auf ein Konzert der Toten Hosen gegangen und die Musik hatte mich in ihren Bann gezogen. Ich weiss noch ganz genau wie beeindruckt ich war von den Jungs, der Lautstärke, dem Chaos und der Energie dieser Band. Von diesem Tag an wollte ich auch so sein und zu dieser Szene dazugehören. Die anderen beiden, David und Benny (an dieser Stelle Grüsse an Euch), waren genauso infiziert. Um keine Zeit zu verlieren haben wir auch direkt am nächsten Tag angefangen uns unsere Klamotten und Haare zu färben und haben versucht soviel Musik wie nur möglich zu beschaffen. An dieser Stelle sei mal erwähnt, dass uns damals noch kein Internet zur Verfügung stand und auch MP3 ein alles andere als gängiger Begriff war. Daher haben wir Stunden über Stunden damit verbracht uns gegenseitig Kasetten zu kopieren und haben natürlich auch so gut es ging die Jungs in den Bands versucht zu kopieren. Einfach herrlich diese Zeit!!!

Über den Deutschpunk bin ich dann irgendwann zum Ami-Punk und Hardcore gekommen. Und diese Faszination hat mich bis heute nicht mehr losgelassen. Wir sind mittlerweile so alle um die 30 und sind immer noch begeisterte Musikfans. Erst neulich waren wir in London unsere Helden Rancid und Cock Sparrer gucken. Das sind einfach immer schöne Aktionen an die man sich immer wieder gerne erinnert.

Um das ganze an dieser Stelle mal zusammenzufassen: Die Musik hat mich bis dato sehr geprägt und war und ist ein grosser Teil meines Lebens. Auch wenn die Haarfarbe in den Jahren immer mehr von blau zu grau gewechselt ist.

 

Wie kam es zur Band Kuchenclub?

 

Nachdem meine vorherige Band „eyesight“ mehr oder weniger aufgelöst hatte, brauchte ich erstmal ne Pause von der Musikmacherei, weil ich irgendwie ein wenig die Motivation verloren hatte. Aber nach relativ kurzer Zeit merkte ich, dass mir das Musizieren doch sehr fehlte. Ich wusste aber, dass wenn ich Musik machen wollte, ich auf jeden Fall wieder mit Denis in ner Band spielen wollte. Das Problem war nur, dass wir irgendwie nicht wussten wen wir noch mit an Bord nehmen sollte. Martin gehörte auch schon vor dem Club zu meinem engen Freundeskreis und ich wusste, dass er ein super Sänger war bzw. ist. Allerdings hatte er noch gar keine Erfahrung was das Spielen in einer Band angeht und hatte bis dahin mal ab und an zu spätere Stunde in der Kneipe noch einen vom Leder gerissen.

Die ersten gemeinsam Schritte waren auch alles andere als erflogreich. Ich weiss noch, dass es am Anfang zu einigen längeren und heftigeren Diskussionen kam und die Band sich schon fast wieder aufgelöst hätte bevor wir überhaupt den ersten gemeinsamen Song geschrieben hatten. Nachdem diese Probleme aber aus der Welt geschafft waren, haben wir irgendwann richtig Fahrt aufgenommen. Denis hatte dann den ersten Song zur Band beigetragen und auch Martin hatte nur kurze Zeit später bewiesen, dass er nicht nur eine, wie ich finde, einzigartige Stimme besitzt sondern auch sehr, sehr gute Melodien schreiben kann. Seitdem läuft die Sache echt gut und es macht riesigen Spaß mit den Jungs zu spielen. Es kommt zwar immer noch zu vielen Diskussionen, die ich aber eher als konstruktiv bezeichnen würde.

 

Wer sind Deine musikalischen Vorbilder?

 

Da gibt’s sehr viele und ich kann mich nicht auf einige individuelle festlegen. Ich mag die alten typischen Punks wie Ramones, the Clash oder auch Cock Sparrer. Aber auch die etwas „neueren“ Sachen, wie Rancid, NoFX, Slime, Good Riddance gehören zu meinen absoluten Favoriten. Jedoch gehören zu meinen Vorbildern nicht nur Sachen aus dem Punk-Bereich. Ich mag generall einzelne Interperten aus fast allen Musikrichtungen: Udo Lindenberg, Clueso, Counting Crows, Pantera

 

Wie war Deine musikalische Vergangenheit vor Kuchenclub?

 

Das allerste Projekt war als Sänger in ner Punkband. Das ist auch das einzige, was ich dazu sage. Mich als Sänger auszuwählen ist ungefähr genauso passend wie Rainer Calmund als Mittelstürmer für die erste Mannschaft des BVB zu engagieren. Die ist auch heute nach fast 20 Jahren nicht zu entschuldigen.

Das zweite Projekt nannte sich dann Toy Boy zusammen mit meinen alten Kumpels Benny, Zwi, Rouven, Tanja und, natürlich immer an meiner Seite, Denis. Dies waren meine ersten Schritte als Trommler und wir spielten so 20 - 30 Gigs. An Details kann ich mich jetzt nicht wirklich erinnern, aber insgesamt hab ich ein gutes Gefühl wenn ich an die Zeiten zurück denke.

Danach folgte dann die Band „eyesight“ in der ich von Anfang bis Ende trommelte. Ingesamt gab es uns so um die 12 Jahre und es waren grossartige Zeiten. Die ganzen Touren und Konzerte waren für mich einzigartige und sehr wertvolle Momente.

 

Wie siehst du die musikalische und inhaltliche Ausrichtung der Band?

 

Ich denke die musikalische Ausrichtung ist relativ schnell erklärt. “1,2,3,4” und dann auf die eins sind alle da. Keine grossen Gitarrensolos oder verschachtelten Arrangements. Insgesamt sind wir sehr minimalistisch aufgestellt. Eine Gitarre, Bass, Schlagzeug (für die Akustik Session noch Percussion). Fertig!

Ich bin der Überzeugung, dass man für nen guten Sound nicht viel benötigt. Auf’s Gesamtbild kommt’s an. Wir versuchen mit den Mitteln, die uns zur Verfügung stehen, gute Songs zu schreiben, die rund klingen und knallen. Zudem hat Martin’s Stimme solch einen Klang und solch ein Volumen, dass unnötiges Instrumentengedusel ihr jeglichen Raum stehlen würde.

Inhaltlich würde ich uns als  eine Art “Storyteller” bezeichnen. Ich schreibe keine Texte und kann daher sicherlich weniger dazu sagen als Martin oder Denis. Aber ich denke, dass unsere Texte Erzählungen aus bestimmten und durchlebten Lebenssituationen darstellen. Geniale Abende, totale Abstürze, (beendete) Liebesbeziehungen, Rückschläge, Triumphe und so weiter. Das volle Programm eben. Was uns dabei sehr wichtig ist, dass wir authentisch bleiben. Generell würde ich sagen, dass es in der Band Kuchenclub mehr um zwischenmeschliche Aspekte als um musikalisches Können geht. Das darf jetzt nicht falsch verstanden werden. Was ich damit sagen will, ist, dass bei uns in der Band niemals irgendein Arsch Platz finden würde, nur weil er ein Instrument gut beherrscht. Dagegen sind gute Freunde und Menschen, die wir mögen in unserer Kombo immer gern gesehene Gäste. Daher auch einer meiner besten Freunde und gleichzeitig mein Bruder an den Percussions!

 

Was ist Dein schönstes/prägendstes Erlebnis, bezogen auf Musik?

 

Huiiii, da gibt es viel zu viele Erlebnisse und an viele kann ich mich oft schon gar nicht mehr erinnern. Das wird mir immer dann bewusst, wenn jemand ne Geschichte von früheren Touren oder Konzerten erzählt in der ich irgendwie, irgendwo vorkomme und ich mich nicht mal mehr im geringsten daran erinnern kann, jemals diese Situation miterlebt zu haben.

Aber insgesamt verbinde ich schon sehr sehr viele gute Momente mit Musik. Zum einen sind da die Erinnerungen an Konzerte und Touren, die ich selbst gespielt habe. All die Gigs mit meiner früheren Band „eyesight“ sind echt gute Erinnerungen, die ich niemals mehr missen möchte (an dieser Stelle auch ein Dank an Andi und Kraude für diese guten Tage).

Aber natürlich auch die Konzerte mit dem Club waren bis allesamt grossartig. Ich liebe es mit den Jungs Musik zumachen. Wenn ich die Jungs und den Krach habe, brauche ich eigentlich nicht mehr viel.

Aber natürlich verbinde ich nicht nur gute Momente mit Musik. Es gab auch schon genügend Momente, die mich echt in die Knie gezwungen haben und in denen dann unter anderem die Musik geholfen hat wieder  halbwegs auf die Beine zu kommen. Es gibt so manche Songs, die mir echt Tränen in die Augen treiben wenn ich sie in einem falschen Moment oder einem falschen Tag höre. Einfach deshalb weil sie mich an bestimmte unglückliche Momente erinnern. Daher würde ich auch Musik wie nen guten Freund bezeichnen. Wenn Zeit ist auf den Putz zu hauen ist sie da und wenn mal wieder ne Talfahrt ansteht ist sie auch zur Stelle. Ich finde der Text zu „Liebe zur Musik“ stellt meinen Bezug zur Musik treffend dar, obwohl Martin und nicht ich den Text dazu geschrieben hat.

Club privat: Martin

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Club privat: Denis

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Club privat: Benny

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